Wir als Verein Üsoligenial Heidelberg Rhein-Neckar e.V. unterstützen die Presseerklärung mit ihren Forderungen aus vollem Herzen. Als Verein und Teil der Montagsbewegung Heidelberg treten wir seit langem für ein Verbot aller faschistischen Organisationen ein, weil Faschismus keine Meinung ist, sondern ein Verbrechen. Als weltoffene Stadt wie Heidelberg sie sein will, muss der Gemeinderat mit seinem OB Herrn Würzner hier deutlich Farbe bekennen und die Forderungen der VVN/BdA und AIHD unterstützen und umsetzen, um dadurch auch den nachfolgenden Generationen ein sichtbares Zeichen über die Verbrechen der damaligen NAZIS auch in Heidelberg zu setzen.

Für den Vorstand
Matz Müllerschön

 

Pressemitteilung:
Namen der fünf von den Nationalsozialisten in Rohrbach ermordeten Zwangsarbeiter aufgedeckt

VVN/BdA und AIHD fordern würdiges Gedenken und Entschädigung der Hinterbliebenen

Beharrliche Nachfragen unter anderem der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der AntifaschistInnen haben ergeben, dass die Namen der sowjetischen Zwangsarbeiter, die 1944 auf dem Gelände der damaligen Fuchs’schen Waggonfabrik erhängt wurden, der Stadt Heidelberg seit langem zugänglich sind.
Durch Augenzeugenberichte ist bekannt, dass am 28.08.1944 auf dem Gelände der Waggonfabrik Fuchs fünf Zwangsarbeiter erhängt wurden (vgl. den Bericht der damaligen Waggonfabrik-Beschäftigten Zambelli in: Damit nichts bleibt wie es ist. Dokumente zur Geschichte der Arbeiterbewegung in Heidelberg 1848-1949, Kösching 1986).
Von der Stadt Heidelberg und der Justiz wurde dieses Ereignis immer als nicht genau verifizierbarer Bericht gehandelt.
Dabei hätte – zumindest für die Justiz – schon ein einfacher Blick in das Sterberegisters des Standesamtes genügt. Dort werden unter dem Datum 28.08.1944 die sogenannten „Ostarbeiter“ Nikolai Ewdokimow, Alexei Bjelow, Wassili Skorkin, Anatolij Bachatschow und Pawel Chrebor angegeben, die alle in der Ukraine geboren wurden und zwischen 19 und 23 Jahre alt waren. Bei allen wird als Todeszeitpunkt 12.30 Uhr und als Todesursache „Erstickungstod“ angegeben. Als Zeuge wird der Kriminalangestellte Kraus angeführt, der von den Todesfällen „aus eigener Wissenschaft“ unterrichtet gewesen sei.
VVN und AIHD empfinden es als beschämend, dass sich diese Information seit mehr als 65 Jahren unbeachtet in den Archiven der Stadt Heidelbergs befinden und erst auf Drängen antifaschistischer Gruppen öffentlich werden – zu einem Zeitpunkt, an dem die beteiligten Nazitäter nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden können. Dieser Vorgang ist eigentlich nur durch eine Mischung aus Desinteresse und Vertuschungswillen erklärbar.
Erst jetzt haben wir bei unserer Recherche nach den Namen der Opfer Unterstützung durch Günther Berger vom Heidelberger Stadtarchiv gefunden, bei dem wir uns an dieser Stelle ausdrücklich bedanken möchten.
Wir fordern Stadtverwaltung und Gemeinderat auf, auf dem Gelände der ehemaligen Fuchs’schen Waggonfabrik beim heutigen ‚Quartier am Turm’ einen würdigen Gedenkort mit den Namen der ermordeten sowjetischen Zwangsarbeiter zu errichten, an dem auch Täter und Profiteure benannt werden.
Wir fordern die Stadt Heidelberg darüber hinaus auf, alles dafür zu tun, die Angehörigen der Hingerichteten ausfindig zu machen und – soweit das irgend möglich ist – finanziell zu entschädigen.
Dringend notwendig ist nun die umfassende Aufarbeitung der Geschehnisse insbesondere in Bezug auf die beteiligten Täter in Firmenleitung, Polizei, SA und SS.

Prof. Dr. Dieter Fehrentz für die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der AntifaschistInnen (VVN/BdA)

Michael Csaszkóczy für die Antifaschistische Initiative Heidelberg (AIHD)